Was ist die DWZ?
Die Deutsche Wertungszahl (DWZ) misst die Spielstärke einer Schachspielerin oder eines Schachspielers aus den Ergebnissen in Turnieren – und zwar immer im Verhältnis zur Stärke der Gegner. Geführt wird sie vom Deutschen Schachbund (DSB) für die Mitglieder seiner Vereine. Das System lehnt sich an das Elo-System des Weltschachbunds FIDE an und entstand 1990/91 nach der Vereinigung der beiden deutschen Schachverbände.
Eine DWZ ist eine positive ganze Zahl, je höher, desto stärker. Hinter dem Bindestrich steht der Index, zum Beispiel 1650-23: Er zählt, wie oft die DWZ schon ausgewertet wurde. Nach der ersten Auswertung ist er 1 und steigt mit jedem weiteren Turnier um 1.
Welche Partien zählen?
- Ein Turnier zählt als Ganzes. Die DWZ ändert sich nicht nach jeder Partie, sondern einmal nach dem Turnierende, und zwar in der Reihenfolge, in der die Turniere enden.
- Eine Mannschaftssaison ist ein Turnier. Die Ergebnisse einer Liga-Saison werden zu einer Auswertung zusammengefasst.
- Nur am Brett erspielte Ergebnisse zählen – kampflose Partien nicht, Partien gegen Schachcomputer ebenfalls nicht.
- Bedenkzeit: mindestens 90 Minuten pro Spieler und Partie, bei Jugendturnieren U12 und jünger mindestens 60 Minuten. Bonuszeiten pro Zug werden mit einer angenommenen Partielänge von 60 Zügen eingerechnet. Schnell- und Blitzpartien zählen deshalb nicht.
So wird die neue DWZ berechnet
Nach dem Turnier vergleicht die Auswertung, was Sie erzielt haben, mit dem, was nach den Wertungszahlen zu erwarten war:
neue DWZ = alte DWZ + K × (erzielte Punkte − erwartete Punkte)
Gewonnene Partien zählen einen Punkt, Remis einen halben. Die erwarteten Punkte sind die Summe der Gewinnerwartungen gegen jeden einzelnen Gegner. Die Gewinnerwartung hängt nur vom Unterschied der beiden DWZ ab und folgt einer Normalverteilung. Gegen einen gleich starken Gegner liegt sie bei 0,5:
| DWZ-Vorsprung | 0 | 50 | 100 | 200 | 300 | 400 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Gewinnerwartung | 0,50 | 0,57 | 0,64 | 0,76 | 0,86 | 0,92 |
Anders als bei der Elo-Zahl gibt es keine Obergrenze für den Unterschied. Das Ergebnis wird auf eine ganze Zahl gerundet und fällt nie unter 1100.
Der Entwicklungsfaktor K
K bestimmt, wie stark ein Turnier die DWZ bewegt. Junge und noch wenig ausgewertete Spieler haben ein höheres K, damit sich ihre DWZ schnell ihrer Spielstärke anpasst. K setzt sich aus einem Grundwert, einem Bremsfaktor und einem Erfolgsaufschlag zusammen:
K = Grundwert × Bremsfaktor + Erfolgsaufschlag (höchstens 80)
Grundwert nach Index
| Index | 1–2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | ab 11 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| bis 25 Jahre, unter DWZ 2200 | 60 | 48 | 46 | 44 | 42 | 40 | 38 | 36 | 34 | 32 |
| ab 26 Jahre, unter DWZ 2000 | 60 | 44 | 42 | 40 | 38 | 36 | 34 | 32 | 30 | 28 |
| ab 26 Jahre ab DWZ 2000, bis 25 Jahre ab DWZ 2200 | 60 | 41 | 39 | 37 | 35 | 33 | 31 | 29 | 27 | 25 |
Als Alter zählt das Jahr des Turnierendes minus das Geburtsjahr. Zum Grundwert kommen zwei Anpassungen:
- Erfolgsaufschlag – nur wenn Sie mindestens so viele Punkte erzielt haben wie erwartet: bis 20 Jahre mit einer DWZ unter 2000 sind es (2000 − DWZ) ÷ 30 Punkte, ab 21 Jahren mit einer DWZ unter 1600 sind es 4 Punkte.
- Bremsfaktor – nur wenn Sie weniger Punkte erzielt haben als erwartet und Ihre DWZ unter 1600 liegt: Der Grundwert wird mit (DWZ + 800) ÷ 2400 multipliziert. So verliert, wer unter 1600 steht, bei einem schwachen Turnier etwas weniger.
K wird auf eine Nachkommastelle gerundet.
Zwei Beispiele
Erwachsene Spielerin, DWZ 1600, Index 12, gegen DWZ 1700
Die Gewinnerwartung gegen den 100 Punkte stärkeren Gegner liegt bei 0,36. Mit Index 12 ist der Grundwert 28, bei DWZ 1600 gibt es weder Aufschlag noch Bremse, also K = 28.
- Sieg: 28 × (1 − 0,36) = +17,9 → neue DWZ 1618
- Remis: 28 × (0,5 − 0,36) = +3,9 → 1604
- Niederlage: 28 × (0 − 0,36) = −10,1 → 1590
Jugendlicher, 14 Jahre, DWZ 1400, Index 3, gegen DWZ 1500
Der Grundwert ist 48. Bei einem Sieg kommt der Erfolgsaufschlag (2000 − 1400) ÷ 30 = 20 dazu, K = 68: Die DWZ steigt um 43 auf 1443. Bei einer Niederlage bremst der Faktor (1400 + 800) ÷ 2400: K = 44, die DWZ sinkt um 16 auf 1384.
Für ein ganzes Turnier mit mehreren Gegnern gibt es den DWZ-Rechner.
Erste DWZ, Turnierleistung und Sonderwertung
Wer noch keine DWZ hat, bekommt nach dem ersten ausgewerteten Turnier eine Erst-DWZ. Sie wird in einem eigenen Rechenverfahren aus allen Partien des Turniers bestimmt und liegt mindestens bei 1100.
Die Turnierleistung ist die DWZ, bei der die erwarteten Punkte genau den erzielten entsprechen. Sie wird für Spieler mit DWZ und mindestens fünf gewerteten Partien berechnet.
Liegt die Turnierleistung eines Spielers um mehr als 300 Punkte über seiner DWZ, greift die Sonderwertung: Für die Auswertung seiner Gegner zählt dann seine Turnierleistung statt seiner DWZ. Deshalb kann die offizielle Auswertung von einer eigenen Rechnung abweichen.
Die DWZ-Umstellung 2026
Mit der Wertungsordnung 2026 und einem neuen Auswertungsprogramm hat der DSB die DWZ einmalig angehoben. Die neue Wertungsordnung gilt rückwirkend ab dem 8. Juni 2026.
- DWZ bis 1000: plus 400 Punkte
- DWZ über 1000 bis 2110: 0,64 × alte DWZ + 760
- DWZ über 2110: unverändert
Gleichzeitig stieg die Untergrenze auf 1100. Ihre alte DWZ rechnet der DWZ-Rechner in die neue um.
Quellen
Die Rechner auf dieser Seite überschlagen die Wertung nach diesen Regeln. Verbindlich ist allein die Auswertung durch die zuständigen Wertungsstellen.
